
IT-Beschaffung
Eignungs- und Zuschlagskriterien für IT-Ausschreibungen
Eignungskriterien klären, ob ein Anbieter den Auftrag erfüllen kann. Zuschlagskriterien klären, welches Angebot das vorteilhafteste ist. Diese Trennung ist im Beschaffungsrecht zentral: Wer sie vermischt, riskiert eine Beschwerde und im schlimmsten Fall die Aufhebung der Ausschreibung. Wir helfen Ihnen, Kriterien so zu formulieren, dass sie den Bedarf treffen, Wettbewerb zulassen und vor Gericht bestehen.
Unterschied auf einen Blick
| Eignungskriterien | Zuschlagskriterien | |
|---|---|---|
| Frage | Kann der Anbieter den Auftrag erfüllen? | Welches Angebot ist das vorteilhafteste? |
| Bezug | Anbieter | Angebot |
| Wirkung | erfüllt oder nicht erfüllt, Ausschluss bei Nichterfüllung | Punkte, Rangierung |
| Beispiele | Referenzen, Zertifizierungen, Fachkompetenz des Teams, finanzielle Leistungsfähigkeit | Preis, Qualität der Lösung, Vorgehen, Service-Level, Nachhaltigkeit |
| Doppelverwendung | dasselbe Merkmal darf nicht zugleich Eignungs- und Zuschlagskriterium sein, ausser es wird ein Mehrwert über die Mindestanforderung bewertet |
Gute Eignungskriterien für IT-Aufträge
- Referenzen: vergleichbare Projekte nach Art und Grösse, nicht nach Branche oder Kunde, sofern diese nicht sachlich nötig sind.
- Fachkompetenz: Qualifikation der Schlüsselpersonen, etwa Zertifizierungen oder Erfahrung mit der eingesetzten Technologie.
- Organisation: Kapazität, Stellvertretung, Support in der geforderten Sprache.
- Sicherheit und Datenschutz: etwa ein Informationssicherheits-Managementsystem nach ISO/IEC 27001 oder gleichwertige Nachweise.
- Finanzielle Leistungsfähigkeit: angemessen zum Auftragswert, damit kleinere spezialisierte Anbieter nicht unnötig ausgeschlossen werden.
Gute Zuschlagskriterien für IT-Aufträge
| Kriterium | Was bewertet wird | Hinweis |
|---|---|---|
| Preis | Gesamtkosten über die Laufzeit | Lebenszykluskosten statt nur Anschaffungspreis |
| Lösungsqualität | Erfüllung der Anforderungen, Architektur, Integration | Bewertung anhand definierter Anforderungen |
| Vorgehen | Projektplan, Methodik, Risiken | Konzept als Teil des Angebots einfordern |
| Team | Erfahrung der eingesetzten Personen | nur, wenn über die Eignung hinaus bewertet |
| Service | Service-Level, Reaktionszeiten, Supportmodell | messbar formulieren |
| Nachhaltigkeit | Energieeffizienz, Lebensdauer, Rücknahme | BöB und IVöB erlauben und fördern solche Kriterien |
Bewertungsmethoden
Die Gewichtung und die Bewertungsmethode müssen vor der Angebotsabgabe feststehen und in den Unterlagen bekannt gegeben werden. Beim Preis sind lineare Methoden verbreitet, bei denen das günstigste Angebot die volle Punktzahl erhält und teurere Angebote proportional weniger. Die Steilheit der Preiskurve entscheidet dabei, wie stark der Preis gegenüber der Qualität wirkt. Bei qualitativen Kriterien braucht es eine Skala mit klaren Beschreibungen, damit verschiedene Bewertende zu vergleichbaren Ergebnissen kommen.
Typische Fehler
- Eignungskriterien, die nur ein einziger Anbieter erfüllen kann.
- Referenzen, die ausschliesslich aus derselben Branche oder vom selben Auftraggebertyp stammen müssen.
- Zuschlagskriterien ohne nachvollziehbare Bewertungsskala.
- Ein Preisgewicht, das in Kombination mit der Preiskurve faktisch alle Qualitätskriterien überstimmt.
- Kriterien, die im Angebot nicht nachgewiesen werden können.
Unser Vorgehen
- Bedarf verstehen: Was muss die Lösung leisten, und wo liegen die grössten Risiken?
- Kriterien ableiten: Eignungs- und Zuschlagskriterien aus Bedarf und Risiken entwickeln.
- Bewertung simulieren: Gewichtung und Preiskurve mit fiktiven Angeboten testen, bevor die Ausschreibung publiziert wird.
- Evaluation begleiten: Bewertung dokumentieren und Zuschlagsantrag begründen.
Häufige Fragen
Häufige Fragen
Weiterlesen
Weiterführende Insights
Verwandte Themen und Leistungen
Beschaffungsvorhaben besprechen