Mitarbeitende einer Berner Verwaltung am Arbeitsplatz mit Blick auf Sandsteinfassaden und rote Ziegeldächer der Altstadt

    IT-Beschaffung

    Sourcing-Strategie für Cloud Services

    Eine Sourcing-Strategie beantwortet, was eine Organisation selbst kann und will und was sie verlässlich einkauft. Sie steht am Anfang jeder grösseren Beschaffung: Wer vor der Ausschreibung klärt, welche Leistungen extern bezogen werden, in welchem Schnitt und mit welchen Abhängigkeiten, schreibt präziser aus, erhält vergleichbare Angebote und behält nach dem Zuschlag die Kontrolle.

    Was in eine Sourcing-Strategie gehört

    1. Zielbild: Welche Rolle soll die eigene IT künftig spielen, eher Betreiberin oder eher Steuerin von Anbietern?
    2. Leistungsschnitt: Welche Leistungen bleiben intern, welche werden extern bezogen, und wo verlaufen die Schnittstellen?
    3. Sourcing-Modell: Ein Generalunternehmer, mehrere spezialisierte Anbieter oder eine Kombination?
    4. Abhängigkeiten und Exit: Wo entsteht eine starke Bindung an einen Anbieter, und wie bleibt ein Wechsel möglich?
    5. Kostenmodell: Wie verteilen sich einmalige und wiederkehrende Kosten über die Laufzeit, und welche internen Kosten bleiben?
    6. Governance: Wer steuert die Anbieter, mit welchen Gremien, Kennzahlen und Eskalationswegen?

    Make or Buy: die zentrale Frage

    Nicht jede Leistung muss eingekauft werden, und nicht jede Eigenleistung ist günstiger. Wir beurteilen jede Leistung nach denselben Kriterien:

    Kriterium Spricht für Eigenleistung Spricht für Einkauf
    Strategische Bedeutung Kernkompetenz, Differenzierung Standardleistung ohne Wettbewerbsvorteil
    Know-how intern vorhanden und gesichert schwer zu rekrutieren, schnell veraltet
    Skaleneffekte gering gross, etwa bei Rechenzentrum oder Cloud
    Regulierung hohe Anforderungen an Kontrolle und Datenstandort Anforderungen vertraglich abbildbar
    Kosten stabile Auslastung schwankender Bedarf

    Sourcing-Modelle im Vergleich

    Modell Vorteil Risiko
    Generalunternehmer ein Ansprechpartner, klare Gesamtverantwortung starke Abhängigkeit, weniger Wettbewerb bei Folgeaufträgen
    Multi-Sourcing beste Anbieter je Leistung, Wettbewerb bleibt erhalten hoher Steuerungsaufwand, Schnittstellenrisiken
    Cloud-Service mit Integrator standardisierte Plattform, Integration durch Partner Abhängigkeit vom Hersteller, Rollen zwischen Hersteller und Partner klären
    Hybrid mit internem Betrieb Kontrolle über kritische Teile doppelte Kompetenzen, höhere Fixkosten

    Abhängigkeiten bewusst steuern

    Vollständige Unabhängigkeit gibt es bei Cloud-Diensten nicht. Ziel ist eine bewusste, dokumentierte Abhängigkeit mit realistischen Ausstiegsoptionen. Dazu gehören offene Datenformate, vertraglich gesicherte Datenrückgabe, dokumentierte Konfigurationen und ein Exit-Plan, der regelmässig überprüft wird. Für öffentliche Auftraggeber kommt hinzu, dass Folgebeschaffungen oft freihändig erfolgen müssen, wenn die erste Entscheidung keinen Wechsel mehr zulässt.

    Von der Strategie zur Ausschreibung

    Die Sourcing-Strategie liefert die Grundlage für den Zuschnitt der Lose, die Wahl des Verfahrens, die Eignungskriterien und die Vertragsstruktur. Ohne sie entstehen Ausschreibungen, die entweder zu eng auf einen Anbieter zugeschnitten oder so offen sind, dass die Angebote nicht vergleichbar werden.

    Unser Vorgehen

    1. Bestandsaufnahme: heutige Leistungen, Verträge, Kosten, Abhängigkeiten und Zufriedenheit erheben.
    2. Zielbild: gemeinsam mit Geschäftsleitung und IT das künftige Rollenverständnis festlegen.
    3. Optionen bewerten: Sourcing-Modelle anhand von Kosten, Risiken und Steuerbarkeit vergleichen.
    4. Empfehlung und Roadmap: Leistungsschnitt, Losbildung und Reihenfolge der Beschaffungen festlegen.
    5. Umsetzung: auf Wunsch Begleitung der Ausschreibungen und des Aufbaus der Anbietersteuerung.

    Häufige Fragen

    Beschaffungsvorhaben besprechen

    Klären Sie früh, welche Entscheide vor der Ausschreibung fallen müssen.

    Beschaffungsvorhaben besprechen